Gemütsstimmung: erschöpft
Aufenthaltsort: St. James's Hospital, Examination Hall, Burke Theatre
So... College hat angefangen!
Am Mittwoch war vormittags eine Orientierungsveranstaltung für die Molekularmediziner. Die Begrüßung war sehr nett und es machte den Eindruck, als ob man sich hier wirklich um die Studenten kümmert. Es gab Stundenpläne und ein Programm und nach einer Tour durch das Institute of Molecular Medicine (ja, wir haben unser eigenes Institut!), welches wirklich sehr gut ausgerüstet zu sein scheint, gab es sogar Lunch für uns!
Wie üblich musste ich wieder gleich am ersten Tag einen bleibenden Eindruck hinterlassen, obwohl es diesmal wenigstens nicht meine eigene Schuld war. Unser Kurs-Koordinator, den ich schon einmal in Göttingen getroffen hatte, weil Göttingen und Dublin zu einem gemeinsamen Eurolife-Projekt gehören, hatte nichts besseres zu tun als mich, während alle rumstanden und aßen, dem kompletten Kurs als Jennifer aus Deutschland vorzustellen. Großartig, jetzt kennt jeder meinen Namen und ich muss immer fragen wie alle heißen.
Nach diesem netten Start ging es dann gleich (unerwartet) ans Eingemachte. Hatten wir doch gleich am ersten Tag nachmittags Vorlesungen! Und direkt die erste Vorlesung war eine totale PowerPoint-Totschlägervorlesung. Anscheinend gibt es solche nicht nur in Deutschland. Gott sei dank waren die folgenden Vorlesungen und die am nächsten Tag besser. Für die ersten beiden Tage war das aber schon ganz schön viel und das Studium hier wird sicher kein Spaziergang. Sprachprobleme hatte ich bisher glücklicherweise kaum (jedenfalls nicht in der Vorlesung, wenn jemand anfängt so richtig Irisch zu sprechen, dann schon).
Eine Sache, die mich ein wenig geschockt hat, war als ich erfahren habe, dass man in den Klausuren mehrseitige Essays zu den Fragen schreiben muss. Also nicht so wie in Deutschland seine paar Multiple Choice Kreuzchen machen oder Ein-Satz-Antworten schreiben... Auf der einen Seite finde ich das gut, weil man da wesentlich besser beurteilen kann, ob der Student den Sachverhalt verstanden hat, andererseits jagt es mir ganz schön Respekt ein.
Heute habe ich mich dann immatrikuliert. Man geht hier nicht einfach irgendwann ins Studiensekretariat, wie ich Deutschland, sondern an einem festgelegten Termin in die riesengroße Examination Hall (architektonisch wesentlich beeindruckender als das Studentensekretariat), wo man sich dann an eine gigantische Schlange einreihen darf. Man steht hier wirklich auf's Schlangestehen... Das Einschreiben war unproblematisch. Man gibt seine Daten am ersten Tisch auf (wo sie erstmal aus der Hagener Straße die Hagener Street gemacht haben, was ich dann korrigieren musste), bekommt am zweiten Tisch einen Stempel, dass die Studiengebühren bezahlt sind (bzw. übernommen werden) und dann wird noch ein Photo gemacht (von einem Photographen, nicht per Selbstauslöser wie in Göttingen) und man bekommt seinen Studentenausweis und eine Menge Informationsmaterial:

Was mir am Besten gefallen hat ist der tolle Collegekalender, wo alle wichtigen allgemeinen Termine drinnen stehen und man noch seine eigenen reinschreiben kann. Das ist definitiv nützlich. (Für Hans: Schatz, du brauchst mir dieses Jahr keinen Kalender zu Weihnachten schenken...)

Leider konnte ich mich bei der Online-Einsicht in meine Daten überzeugen, dass meine Eltern immer noch in der Hagener Street wohnen...
In der Examination Hall hatte auch der College Health Service einen Stand. Ich weiß jetzt endlich, dass ich außer der European Health Card, die ich von meiner deutschen Krankenkasse bekommen habe, nichts weiter brauche. Dafür, dass das im Vorfeld so eine Hektik war mit der Krankenversicherung, hat es sich als überraschend unkompliziert herausgestellt. Die Frau vom Health Service hat mich erstmal für eine Amerikanerin gehalten, da war ich ganz schön beleidigt. Es war zwar nett das Kompliment zu bekommen, dass mein Englisch nicht eine Spur von deutschem Akzent hätte, aber Amerikanerin? Vielleicht klinge ich jetzt ein bisschen kanadisch, weil ich seit 2 Wochen mit einer Kanadierin zusammenwohne, aber die ist auch immer sauer, wenn sie für eine Amerikanerin gehalten wird.
Nachmittags gab es dann noch eine große Begrüßungsveranstaltung für alle Postgraduierten. Der große Unterschied zwischen deutscher Uni und irischer ist mir da erneut deutlich geworden. Die Uni hier ist wie eine kleine, separate Stadt. Es gibt eine eigenen Arztpraxis, eine eigene Kirche mit unterschiedlichen Konfessionen und auch sonst noch alles mögliche. Außerdem wurde während der Veranstaltung deutlich, dass der Student hier zahlender Kunde ist (nicht nur harmlose 500 € wie in Deutschland...). Es gibt ein riesiges Angebot an Hilfseinrichtungen und Sonderkursen.

Rachael und ich wieder zusammen gekocht und ich lerne ganz viele neue Gemüsesorten kennen. Heute habe ich etwas gegessen, was "Squash" heißt. Anscheinend ein Kürbisgewächs. War sehr lecker.
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