Musik: The New Wild West von Jewel
Gemütsstimmung: Zwischen völlig verzweifelt und ekstatisch
Aufenthaltsort: Im Pub
Das war mit einer der anstrengendsten Tage meines Lebens! Gleich morgens nach dem Aufstehen habe ich den "Accomodation Advisory Service" aufgesucht und anfangs habe ich mich gefragt, was das nur werden soll. Ich saß da in diesem Zimmer, wo es 2 Computer und 2 Telefone gab und wusste nicht, wie ich das Ganze angehen soll. Nachdem ich mir einige Inserate der Internetseite www.daft.ie rausgesucht hatte, über die angeblich der Großteil des Wohnungsmarktes in Dublin abläuft, habe ich ein paar Anrufe gemacht und hatte schonmal einige Termine. Dennoch fühlte ich mich recht verloren.
Erst als ich mich mit der Loraine, einer Irin, und Rachael, einer Kanadierin, zusammengetan habe, kam so richtig Schwung in die Sache. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, sich bei der Wohnungssuche mit anderen Leuten zusammen zu tun. Ob man hinterher zusammen unterkommt ist etwas anderes, aber es ist einfacher als Gruppe zu versuchen geeignete Unterkunft für drei Leute zu finden als Alles alleine zu machen. Man kann sich dann auch die Unterkünfte zusammen angucken, was bei einigen fragwürdigeren Angeboten durchaus angenehmer ist.
Während wir in der Weltgeschichte rumtelefoniert haben und Termine ausgemacht haben, habe ich das Gespräch einer Vermieterin mit ein paar deutschen Studenten (davon gibt es hier verdammt viele!) überhört, die ganz nett klang, also hab ich mich auch mal dazu gesellt und einen Termin für abends vereinbart.
Nach dem Mittagessen, bei dem Rachael und ich festgestellt haben, dass wir wirklich Ernährungskompatibel sind und das gleiche Brot und die gleiche Tütensuppe gekauft haben, habe ich dann den Termin bei einer WG, den ich schon in Deutschland ausgemacht hatte, nach vorne verschoben, weil unsere Planung sonst nicht mehr aufgegangen wäre. Diese Terminänderung hatte zur Folge, dass wir völlig überstürzt aufbrechen mussten. Um schnell an unserem Ziel, in der Nähe des St. James's Hospital, zu gelangen, sind wir mit dem LUAS gefahren. Der LUAS ist die Straßenbahn, die echt toll wäre, wenn er mehr als zwei Linien hätte und man damit zu mehr Orten gelangen könnte.
Die erste Wohnung war ganz nett, mein Zimmer wäre im Dachgeschoss gewesen und wirklich schön. Allerdings gab es für 5 Leute nur ein einziges Badezimmer. Außerdem war schon jemand vor mir da gewesen und ich wäre nur als Zweite auf der Liste gewesen. Das Ganze riss mich also nicht vom Hocker. (Wochen später habe ich erfahren, dass Isabel, eine DAAD-Stipendiatin, die ich beim Vortreffen in Deutschland kennengelernt hatte, in genau diesem Zimmer gelandet ist!)
Ab hier begann dann unser Laufmarathon. Wir hatten in unserer Eile leider keine Stadtkarte mehr besorgt, aber Rachael überraschte alle damit, dass sie ein GPS aus ihrer Tasche zog (ohne das wir wahrscheinlich immer noch diverse Orte suchen würden). Dies war der erste Hinweis darauf, dass die Gute absolut übervorbereitet auf alle möglichen und unmöglichen Situationen ist. Jedenfalls war es ziemlich lustig mit diesem Gerät durch die Gegend zu laufen.
Von der ersten Wohnung sind wir zu der Vermieterin gelaufen, die ich am morgen im Accomodation Advisory Service getroffen hatte. Das Haus liegt etwas außerhalb (etwa 2,5 km von Trinity College entfernt) und ist in einem Wohngebiet, das ziemlich irisch aussieht, mit lauter Pflastersteinhäuschen. Es gibt ein kleines Zimmer und ein größeres; außerdem eine gemütliche Wohnküche und im Dachgiebel ein kleines Bad. Im Erdgeschoss wohnt die Besitzerin, mit der man sich allerdings keinen Wohnraum teilt. Rachael und ich haben uns also zusammen für die Unterkunft angemeldet. Ich habe gesagt, dass ich auch den kleinen Raum nehmen würde, weil ich wahrscheinlich ohnehin mehr in der Wohnküche sein werde. Vor Ort haben wir dann auch noch Arini, eine Italienerin, kennen gelernt, die sich ebenfalls das Haus angesehen hatte.
Wir sind dann von dort aus alle zusammen mit dem Bus zurück in die Innenstadt gefahren, weil wir irrsinnig spät für unseren nächsten Termin dran waren. Noch auf der Busfahrt haben wir einen Anruf erhalten, dass Rachael und ich die Zimmer haben können. Wir haben natürlich sofort zugesagt, zumal besonders mein Zimmer mit 75€ die Woche für Dubliner Verhältnisse sehr günstig ist. Allerdings haben wir ausgemacht die Kaution und alles weitere am nächsten Abend zu regeln, so dass wir noch Gelegenheit dazu hatten am folgenden Tag nach etwas zu suchen, dass näher in der Stadt ist.
Unser nächster Termin, Loraine wollte sich eine Wohnung in der Temple Bar, dem Kneipenbezirk in Dublin, ansehen, ist wegen unser Verspätung ins Wasser gefallen, weil Loraine es zudem versäumt hatte anzurufen und Bescheid zu sagen, dass wir später kommen.
Unser letzter Termin war dann im Norden von Dublin, wo es einige Zimmer in brandneuen Wohnblock geben sollte, der ziemlich nah an Loraines College (sie geht nicht auf's Trinity) liegt. Nach einem irrsinnig langen Fußmarsch mit mehreren Schleifen waren wir dann auch irgendwann dort angekommen. Der Gemeinschaftsraum war auch großartig und super modern und es wäre eine Traumunterkunft gewesen, wenn da nicht die Größe der Zimmer gewesen wäre. Die Zimmer hatten ungefähr die Größe des Betts, mit absolut gar keinem Platz links und rechts daneben. Einige hatten nicht einmal einen Schrank. Rachael und ich waren uns einig, dass das nichts für uns sei. Loraine hingegen hat sich dazu entschieden in dem Wohnblock ein Zimmer zu nehmen, zusammen mit einigen Freunden.
Nachdem wir die großartige Leistung vollbracht hatten für uns alle drei innerhalb von nur einem Tag eine Unterkunft zu finden, sind wir glücklich zurück in die Innenstadt, wo sich Loraine verabschiedet hat. Rachael, die auch in der Goldsmith Hall untergebracht ist, und ich haben dann unsere Laptops geholt und sind in einen Pub mit kostenlosem Wireless Internet gegangen, um ein wenig mit der Heimat zu kommunizieren.
Um ca. 2h bin ich dann totmüde ins Bett gefallen.
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