Gemütsstimmung: zufrieden
Aufenthaltsort: Old Mill Court
Und eine weitere Woche ist rum - kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Diese Woche war "Fresher's Week". Da werden alle Erstsemester begrüßt und durch das College gelotst. Und weil ich ja auch neu bin, wenn auch nicht an der Uni generell, sondern nur am Trinity College, habe ich mich zeitweise einfach mal dazu gemischt.
Erstmal habe ich allerdings am Montag mit einer Bibliotheksführung durch die Medizinische Zweigstele angefangen. Die Bibliothek des Trinity College ist die größte Irlands und hat das Recht sämtliche Werke zu bekommen, die in Irland oder Großbritannien veröffentlicht werden. Dementsprechend riesig ist sie auch. Die meisten Bücher sind nicht in der Bibliothek, sondern in einer Lagerhalle und man muss sie per Zettel anfordern. Die wichtigsten allerdings sind frei zugänglich und ich als Postgraduate darf auch fast alles ausleihen. Eine Sache, die viel besser als in Göttingen ist, ist die Zugänglichkeit von elektronischen Publikationen. Man hat ihr sämtliche Journale abonniert, auf die ich in Göttingen nie zugreifen konnte, und darüber hinaus bekommt man auch noch eine Anleitung für einen Trick, wie man darauf von zuhause aus zugreifen kann.
Nach der Bibliotheksführung bin ich dann zum Campus, wo alle Societies und Clubs des Colleges ihre Stände aufgebaut hatten. Ich bin der Yoga-Society beigetreten, weil ich immer schonmal Yoga machen wollte. Außerdem noch der SciFi-Society, weil man da bestimmt nette, gestörte Leute kennen lernen kann. Dann noch der Gälisch-Society, damit ich einen Irish-Gälisch Kurs besuchen kann (mal sehen wie lange ich das durchziehe...) Schließlich habe ich am Dienstag noch beim Chor vorgesungen, mal gucken, ob die mich da nehmen... Und am heute Abend bin ich noch kurz entschlossen der Dublin University International Students Society beigetreten, damit ich auf die Party mit Freigetränken konnte (die schon alle waren - super!).
Als Postgraduierte darf ich im 1937 Reading Room lernen, wo ich auch ein Schließfach bekommen habe. Also werde ich da wohl meine Lernzeit verbringen, immerhin habe ich nur zwei Tage die Woche Vorlesung, den Rest muss ich selber lernen. Der 1937 Reading Room ist außerdem nahe an der Hauptbibliothek, deswegen bietet sich das an. Und so kann ich auch ein wenig Zeit auf dem Campus verbringen, meine Vorlesungen sind ja leider im St. James's Hospital.
Wo wir von Vorlesungen sprechen... Ich habe zwar nur zwei Tage die Woche, diese haben es aber dafür in sich! Gestern habe ich von 9-18h durchgehend Vorlesung gehabt, mit nur einer einzigen Pause (nix 5 Minuten Pausen...), die eine Stunde lang war und gerade zum Mittag essen gereicht hat. Ich war selten in meinem Leben geistig so erschöpft.
Weitere Neuigkeiten gibt es auch bezüglich der Wohnsituation. Rachael und ich sind am Dienstag endlich umgezogen! Unsere neue Vermieterin/Mitbewohnerin Clare hat uns mit ihrem Auto abgeholt und in 2 fuhren waren wir umgezogen. Mittwoch haben wir auch gleich unsere Schlüssel abgegeben und unsere Kaution wiederbekommen. Wir wohnen jetzt zusammen mit einem Pärchen, Ende 20, er Kanadier, sie Irin, in einem wunderschönen, sauberen Haus und nach Fisch stinkt es auch nicht!

Rachaels und meine neue Bleibe
Im Prinzip haben wir genau die Art von Unterkunft gefunden, die alle Studenten haben wollen, welche angeblich aber nur im Märchen existiert. Einzige Nachteile sind, dass wir das Badezimmer zu vier Personen teilen müssen, was morgens schon etwas Planung erfordert und die haben hier die lauteste Wasserpumpe der Welt... Zu meinem Glück ist mein Zimmerchen das einzige, was nicht direkt an der Pumpe liegt.

Flur

Wohnzimmer

Küche

Mein Zimmer
Das Wetter ist auch wieder ganz fein, nachdem ich am Mittwoch durch den strömenden Regen latschen durfte. Und die Sonne steht immer so tief, dass das Licht ganz rot-golden ist.
Ich stehe mittlerweile mit der Bank of Ireland auf dem Kriegsfuß. Nicht nur, dass man mir keinen Freiflug geben wollte, mit dem sie Werbung gemacht haben, der ist nämlich nur für Erstsemestler, die Undergraduates sind... Man will mir auch keine Kreditkarte geben, die man hier in Irland ständig braucht, erst wenn ich mein Konto sechs Monate habe, nicht mal eine EC-Karte geben sie mir. Der bisherige Höhepunkt war, als ich meine Kaution und erste Monatsmiete auf das Konto meiner Vermieterin überweisen wollte. Man sagte mir doch glatt, dass das nicht geht! Ich sollte das ganze in Bar abheben und rüber zur Allied Irish Banks bringen, wo meine Vermieterin ihr Konto hat. Ich habe der Bankangestellten erstmal gesagt, dass ich ganz sicher nicht mit 900€ in Bar rumlaufe, und wenn es nur über die Straße ist. Dann hat sie mir so einen Cheque ausgestellt, den ich rüberbringen musste. Und das gestörteste an der ganzen Sache ist, dass ich einen monatlichen Dauerauftrag für meine Miete ohne Probleme einrichten konnte...
Heute Abend waren ich dann noch, nach der Party der DU International Students Society, mit Rachael, Chris (einem DAAD Studenten) und Elizabeth (eine Kanadierin aus Rachaels Semester) in Doyles Pub. Ich mag irische Pubs! Haben ein paar Franzosen kennen gelernt.

Doyles

In Doyles Pub
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen